|
|
|
|
| |
Winnetou
du stets, wenn du nicht zu Pferde bist, eingebunden werden. Dann siehe zu, wie du zu entkommen vermagst. Bindet seine Hände los und gebt ihm sein Fleisch; dann will ich ihn in die Decke rollen. Von jetzt an werde ich das stets selbst thun, damit diesem Hunde jeder Schein von Hoffnung vergehen möge!«
Er war fast außer sich darüber, daß ich so ruhig blieb und trotz meiner Gefangenschaft seine Uebermacht leugnete. Ich trieb eigentlich, indem ich von meinem Entkommen gesprochen hatte, ein gewagtes Spiel, hatte aber dabei die feste Zuversicht, daß ich die Partie nicht verlieren, sondern gewinnen würde.
Einer der Wächter holte mein Fleisch; die andern nahmen mir die Riemen von den Händen. Der Augenblick des Handelns, der Entscheidung war nahe. Trotzdem war ich innerlich und äußerlich vollständig ruhig. Und das muß so sein. Wer in einem solchen Momente wankt und zittert, der kommt wohl schwerlich glücklich über ihn hinweg.
Man hatte mir meine Portion Magerfleisch in lange, dünne Streifen geschnitten, welche ich mit den Zähnen leicht in Bissen trennen konnte, ohne ein Messer zu brauchen. Das that ich denn auch so langsam und behaglich, als ob ich mit weiter nichts als mit meinem Appetite beschäftigt sei; ich hatte mich dabei in sitzende Stellung aufgerichtet und hielt die Beine und Füße so, daß ich alle Schlingungen der Riemen mit einem einzigen Male erreichen und zerschneiden konnte. Zwei Schnitte hätten wohl schon zuviel Zeit erfordert, obwohl es sich dabei nur um Sekunden handelte. Das Leben hing von halben Momenten ab.
Der Häuptling beobachtete mich mit finsterer Miene. Meine absichtlich zur Schau getragene Behaglichkeit empörte ihn, und er nahm sich gewiß vor, mich nachher durch
|
|
|
| |
|