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Winnetou
um das Pferd zu erreichen. In meinem Zustande hätte ich einen Dauerlauf nicht zwei Minuten lang ausgehalten.
Da sah ich meinen Mimbrenjo hinter dem Felsen hervortreten. Er hatte sein Gewehr in der Rechten und hielt mir mit der Linken meinen Stutzen entgegen. Er blieb nicht etwa wartend stehen, sondern kam auf mich zugerannt. Noch ehe wir zusammentrafen, rief ich ihm entgegen:
»Sind die Pferde gleich hier, hinter der Ecke?«
»Nein, hinter der ersten Krümmung.«
»Wieviel Schritte?«
»Hundertmal fünf.«
O weh! Noch fünfhundert Schritte konnte ich mit meinen eingeschlafenen Füßen nicht thun, ohne erreicht zu werden; also mußte Blut mich retten, Indianerblut! Das war eine jener Lagen, in denen ich so gern geschont hätte und doch nicht schonen durfte. Ich riß im Laufen dem Knaben den Stutzen aus der Hand, betastete das Schloß, fand es in Ordnung und fühlte mich infolgedessen so sicher, daß ich stehen blieb und mich nach den Verfolgern umwandte. Ich nahm als sicher an, daß sie sich nicht die Zeit gegönnt hatten, ihre Schießwaffen mitzunehmen, und fand dies bestätigt. Sie kamen schreiend und mit den Armen in der Luft fechtend in einem wirren Haufen hinter mir hergerannt, voran meine Wächter mit dem Häuptlinge.
»Zurück, ich schieße!« rief ich ihnen entgegen.
Ich stand auf meinen geschwächten Füßen nicht so recht fest, glaubte aber, dennoch sicher schießen zu können, und legte an. Die Yumas beachteten meinen Ruf nicht und kamen heran bis auf hundert Schritte; zwei Schüsse von mir; neunzig Schritte wieder zwei; achtzig, siebzig, sechzig Schritte je zwei Schüsse; das waren zehn Kugeln, von denen jede in das Hüftgelenk eines Verfolgers fuhr;
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